Montag, 12. Oktober 2020

leichenblass auf der seidenstrasse

 ich war immer ein abenteuermann, immer unterwegs, hielt die nase hoch in der luft, aber nicht etwa um hochmütig zu wirken, sondern um neue geschäfte zu erschliessen. in dieser welt ist ein messer mindestens genauso wichtig wie ein vertrauensvoller mann an deiner seite zu wissen. die schuhe, die hitze, der schweiss in den stiefeln und das schlimmste: der elende durchfall. kaum schlaf, tote pferde und viel zu wenig wasser, das ist das leben welches ich immer geliebt habe. ich konnte einen stein umdrehen aber auch eine ganze brücke überqueren, nie zu wissen was kommt war in vielen fällen beruhigender als das vorhersehbare zu bewältigen. das geschäft an sich war letztendlich bloss der lohn einer mühsamen reise und was ich daraus zog war letztendlich nicht mehr als der plan für eine nächste, noch respektablere fracht an ihr ziel zu bringen. so lief es und es lief doch eigentlich immer gut. die trüben wüsten, die kargen ebenen und der nicht aufhörende regen, am ende haftete doch immer ein buntes bild im gedächtnis. der witzige junge mit der karaffe, der für ein paar datteln heitere sprüche zu tauschen wusste und diese kastanienaugen, die für kein geld der welt zu haben waren und meine träume doch stets am leben erhielten. bis jetzt lief alles gut.

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